Zrinka Duvnjak mit dem Hans-Günter-Schäfer-Wissenschaftspreis 2026 ausgezeichnet
Diesjährige Preisträgerin des Hans-Günter-Schäfer-Wissenschaftspreises ist Frau Zrinka Duvnjak. Sie befindet sich im letzten Jahr ihres Promotionsstudiums im Bereich Pharmakometrie an der Freien Universität Berlin, Abteilung für Klinische Pharmazie und Biochemie und wurde für die Veröffentlichung „Pysiolocically Motivated Sequential Population Modeling of Albumin Trends and Vedolizumab Pharmacokinetics for Pregnancy Dosing Regimen Optimization” (J. Clin. Pharmacol. & Therapeutics, doi:10.1002/cpt.70145) ausgezeichnet. Diese Studie verbessert am Beispiel von Vedolizumab das quantitative Verständnis der Pharmakokinetik monoklonaler Antikörper in der Schwangerschaft mit potenzieller Anwendbarkeit auf andere Biologika und liefert optimierte Dosierungsstrategien in Form eines nomogrammartigen Diagramms, um das Risiko unerwünschter Schwangerschaftsausgänge zu mindern. 
Der mit 1.000 Euro dotierte Preis wird von der Frankfurter Foundation Quality of Medicines (FFQM) gesponsert. Die Stiftung gratuliert der Preisträgerin und wünscht ihr weiterhin viel Erfolg bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Die Preisverleihung fand am 25. April im Rahmen des PKPD-Expertentreffens in Weimar statt, das von der Arbeitsgemeinschaft für angewandte Humanpharmakologie (AGAH) organisiert wird
Das Verständnis der Pharmakokinetik von Arzneimitteln während der Schwangerschaft ist entscheidend, um eine wirksame Behandlung sicherzustellen und die Krankheitsremission aufrechtzuerhalten – und damit das Risiko für negative Schwangerschaftsausgänge zu verringern.
Vedolizumab, ein humanisierter monoklonaler Antikörper, ist zur Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen zugelassen. Es wurde nachgewiesen, dass Vedolizumab die Plazenta passieren kann.
Die vorliegende Studie untersuchte die Pharmakokinetik von Vedolizumab bei 39 schwangeren Patientinnen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, da eine aktive Erkrankung das größte Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft darstellt. Da die Auswirkungen der Schwangerschaft auf monoklonale Antikörper bisher kaum quantifiziert wurden, entwickelten die Autoren ein physiologisch motiviertes Modell, um Veränderungen der Wirkstoffkonzentration zu verstehen. Ein zentraler Aspekt war hierbei die Nutzung von Albumin-Trends als Biomarker für die schwangerschaftsbedingte Ausdehnung des Plasmavolumens. Die Studie zeigt, dass Albuminwerte im Verlauf der Schwangerschaft typischerweise um fast 27 % sinken, was direkte Auswirkungen auf die Verteilung und Eliminierung des Medikaments im Körper hat.
Durch die Modellierung wurde festgestellt, dass das zentrale Verteilungsvolumen von Vedolizumab bis zum Ende der Schwangerschaft um durchschnittlich 52,4 % ansteigt. Gleichzeitig erhöht sich die Clearance, also die Reinigungsleistung des Körpers für den Wirkstoff, um insgesamt bis zu 71,9 %. Ein Teil dieser Steigerung tritt insbesondere im dritten Trimester auf, was möglicherweise den Transfer des Antikörpers über die Plazenta zum Fötus widerspiegelt. Diese physiologischen Veränderungen führen dazu, dass die Talspiegel-Konzentrationen von Vedolizumab kurz vor der Geburt um fast die Hälfte abfallen, was das Risiko für einen Wirkungsverlust und damit einhergehende Krankheitsschübe deutlich erhöht.
Um eine effektive therapeutische Exposition aufrechtzuerhalten, schlagen die Autoren eine Optimierung der Dosierungsintervalle vor, die in einem anwenderfreundlichen Nomogramm zusammengefasst wurde. Für etwa ein Drittel der Patientinnen ist eine graduelle Verkürzung des Abstands zwischen den Infusionen erforderlich, um ein Absinken unter die Wirksamkeitsschwelle zu verhindern. Beispielsweise solltemight be ein standardmäßiges 8-Wochen-Intervall gegen Ende der Schwangerschaft auf bis zu 5,6 Wochen verkürzt werden. Diese Ergebnisse bieten erstmals eine quantitative Grundlage für individualisierte Therapieanpassungen bei Schwangeren und könnten als Modell für die Untersuchung anderer biologischer Arzneimittel in dieser vulnerablen Patientengruppe dienen.