PerPhage-Projekt erfolgreich abgeschlossen: Qualitätsgesicherte Phagenpräparate für die personalisierte Therapie in Frankfurt
Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien nehmen weltweit zu. Für Patientinnen und Patienten, bei denen keine wirksame antibiotische Option mehr besteht, kann die personalisierte Therapie mit Bakteriophagen eine Alternative sein. Bakteriophagen (Phagen) sind Viren, die gezielt Bakterien infizieren und abtöten. Damit sie sicher eingesetzt werden können, müssen die Phagenpräparate jedoch hochrein sein. Verunreinigungen aus der Herstellung, etwa bakterielle DNA, Wirtszellproteine oder Endotoxine, müssen zuverlässig entfernt werden. Genau hier setzt das Projekt PerPhage an, das von der Frankfurt Foundation Quality of Medicines gefördert wurde.
Das Projekt ist im Schwerpunkt Infektiologie (Leitung: Prof. Dr. med. Maria J. G. T. Vehreschild) der Medizinischen Klinik II an der Universitätsmedizin Frankfurt angesiedelt. Unter der Leitung von PD Dr. med. Silvia Würstle, MBA, entwickelte das Team dort ein standardisiertes, sicheres und bezahlbares Verfahren zur Aufreinigung und Qualitätskontrolle therapeutischer Phagen. Dieses wurde etabliert, validiert und von der Behörde akzeptiert.
Der mehrstufige Aufreinigungsprozess kombiniert Filtrations- und Reinigungsschritte. Parallel dazu wurde ein breites Spektrum an Methoden zur Qualitätskontrolle aufgebaut. Dazu gehören die Bestimmung der Phagenkonzentration, molekulare Analysen einschließlich der Sequenzierung der Phagengenome vor und nach der Aufreinigung, der Nachweis bakterieller Rückstände sowie Sterilitätstests. Die Ergebnisse zeigen, dass durch den mehrstufigen Aufreinigungsprozess die bakteriellen Verunreinigungen deutlich reduziert werden, während die Phagen ihre hohe Infektiosität behalten.
Die Frankfurt Foundation Quality of Medicines gratuliert zu diesem erfolgreichen Meilenstein und freut sich, mit PerPhage ein Projekt unterstützt zu haben, das die Arzneimittelqualität einer neuen, personalisierten Therapieform von Beginn an mitgestaltet.

Einbettung in einen nationalen und europäischen Rahmen
Das Projekt steht in engem Zusammenhang mit der ersten AWMF-S2k-Leitlinie zur personalisierten Bakteriophagen-Therapie, die Frau Würstle zusammen mit Frau Prof. Vehreschild, Frau Dr. Claßen und Frau Dr. Lieberknecht-Jouy federführend koordiniert hat. Die Leitlinie wurde am 21. September 2026 in Nature Medicine veröffentlicht. Sie schafft erstmals einen einheitlichen Rahmen für Indikationsstellung, Herstellung, Qualitätssicherung und Therapiemonitoring.
Auch auf europäischer Ebene findet der Frankfurter Ansatz Beachtung: Beim Workshop des STOA-Panels (Panel for the Future of Science and Technology) des Europäischen Parlaments am 30. September 2026 in Brüssel stellte Frau Würstle das deutsche Vorgehen vor und zeigte Perspektiven für die Weiterentwicklung der Phagentherapie in Europa auf.
Ein weiterer Meilenstein war die behördliche Begehung der Klinikapotheke der Universitätsmedizin Frankfurt unter der Leitung von Herrn Dr. Nils Keiner am 20. August 2026. Dabei wurde der vorgesehene Weg der magistralen Herstellung von Phagenpräparaten positiv bewertet.